{"id":197,"date":"2026-03-11T16:26:03","date_gmt":"2026-03-11T16:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/?page_id=197"},"modified":"2026-03-11T16:44:37","modified_gmt":"2026-03-11T16:44:37","slug":"interview-with-helga-bilitewski-and-freddy-friederike-strack-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/?page_id=197","title":{"rendered":"Interview with Helga Bilitewski and Freddy (Friederike) Strack"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"197\" class=\"elementor elementor-197\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-77d0317 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"77d0317\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5628864 elementor-widget elementor-widget-hfe-breadcrumbs-widget\" data-id=\"5628864\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" 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Health Activism and Aids in Western Europe, 1980s-1990s<a>\u201d<\/a>, which I led (project reference: AH\/V013955\/1). Its transcription, and the review from Bilitewski and Strack, was completed in the context of the following UKRI Future Leaders Fellowship project, led by Nikolaos Papadogiannis: \u201cAIDS Campaigning between the Global South and Western Europe since the 1980s\u201d (project reference: MR\/Y015878\/1).<\/em><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-spacer\" style=\"height: 34px;\" aria-hidden=\"true\">\u00a0<\/div>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos Papadogiannis<\/strong>: K\u00f6nnte ich einige Fragen im Allgemeinen \u00fcber Sie, z. B. Geburt, bevorzugte Geschlecht, Studium, Arbeit, stellen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga Bilitewski<\/strong>: Ja, also ich bin 1948 geboren, weiblich, ich habe verschiedene Berufe gelernt, also u. a. soziale Arbeit und ich habe auch ein paar Prostitutionserfahrungen aber nicht so viel.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy Strack<\/strong>: Ich bin Soziologin, ich habe bei Hydra seit 1998 gearbeitet. Ich verstehe mich auch als Frau.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Welche sind die wichtige Momente Ihren Teilnahme an Hydra waehrend der 1980er und 1990er Jahren?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ich habe von der Gr\u00fcndung von Hydra bei meinem Studium in Sozialarbeit erfahren. Ich war total begeistert, dass es Menschen gibt, die vorurteilslos mit Prostituierten umgehen und eine Beratungsstelle er\u00f6ffnen wollten. Mich hat das sehr interessiert, weil man das Thema normal besprechen konnte. Ich bin kurz nach der Gr\u00fcndungsphase dazu gekommen, hatte aber zu der Zeit nicht viel mit der Organisation von Hydra zu tun.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind nach 2 Jahren mit anderen Frauenprojekten in ein quasi besetztes Haus in Berlin gezogen und mussten es renovieren. Das Haus war kalt und wir hatten nicht immer Zeit, dort zu arbeiten, denn die Frauen, die anschaffen gingen, um Geld zu verdienen, hatten keine Zeit f\u00fcr Renovierungsarbeiten usw. Dann gab es sehr viel Streit im Haus. Die transexuellen Frauen, die zu uns kamen, wurden von einigen Feministinnen aus den anderen Frauenprojekten abgelehnt. Sie sagten, dass transexuelle Frauen durch ihre m\u00e4nnliche Erziehung gepr\u00e4gt und priviligiert worden seien und darum keine richtigen Frauen seien und Hydra damit kein richtiges Frauenprojekt mehr sei und ausziehen sollte.\u00a0 Das f\u00fchrte schlie\u00dflich zu unserem Auszug, und wir hatten f\u00fcr einige Zeit keine Beratungsstelle mehr. Aber wir hatten gute Kontakte zum Senat und haben irgendwann F\u00f6rdergelder bekommen. Jeweils Tausend Mark f\u00fcr unsere Arbeit, und wir konnten eine Beratungsstelle er\u00f6ffnen. Ich habe das zusammen mit einer befreundeten Sozialarbeiterin gemacht. Wir haben \u00fcberlegt, was wir f\u00fcr die Frauen tun k\u00f6nnen, die in der Prostitution arbeiteten, aber keine Stelle bei Hydra wollten. Zu dieser Zeit kam das ganze Thema AIDS auf. Wir haben in der Zeitung, dem <em>Spiegel<\/em>, von der sogenannten Schwulenkrankheit gelesen. Es war also klar, dass es mit der Sexualit\u00e4t zu tun hatte und dass es Probleme f\u00fcr die Prostituierten geben w\u00fcrde.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb haben wir gedacht, dass wir auf dieses Thema aufmerksam machen m\u00fcssen. In unserer eigenen Zeitung, dem Hydra Nachtexpress, haben wir einen kleinen Artikel zu diesem Thema geschrieben und dass eine Informationsveranstaltung im Gesundheitsamt stattfinden sollte. Um besser auf diesen Artikel aufmerksam zu machen, weil sonst vielleicht niemand so einen langweiligen Artikel \u00fcber Geschlechtskrankheiten liest, haben wir ein gesponsertes Kondom unter den Artikel geklebt. Das war zu der Zeit total pikant, ein Kondom in eine Zeitung zu kleben. <em>Der Spiegel<\/em> ist darauf aufmerksam geworden und hat dar\u00fcber berichtet, so dass auch Frauen aus anderen Bundesl\u00e4ndern von uns erfahren haben. <s><\/s><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst haben wir dann Sexarbeiterinnen aus Frankfurt getroffen und so entstand allm\u00e4hlich \u00a0eine internationale Vernetzung, weil wir merkten, dass wir die gleichen Ideen hatten, und so entstanden weitere Hurenprojekte. Es wurde deutlich, dass sich die Sorgen der Frauen nicht um Krankheit, Ausbeutung und Zuh\u00e4lterei drehten, sondern um das, das sie isoliert. Das best\u00e4tigten uns auch die Frauen aus dem Ausland.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Ich bin erst sp\u00e4ter 1993 dazu gekommen und habe Helgas auf ihrer Arbeitsstelle abgel\u00f6st. Das Thema AIDS war nat\u00fcrlich schon immer ein wichtiges Thema. Ich habe Aktionen zu HIV\/AIDS-Pr\u00e4vention in den Bordellen gemacht und versucht, auch mit anderen Aktionen die Anerkennung von Prostitution als Beruf zu erreichen. F\u00fcr mich war der Ausgangspunkt Brasilien. Ich habe in Brasilien bei der Prostituiertenorganisation Davida gearbeitet und hatte viele Kontakte zu den dortigen AIDS-Aktivist*innen. Dort habe ich bis 2013 gearbeitet. Die Verbindung zwischen dem AIDS-Movement und dem Sexworker-Movement war enger als hier in Deutschland. Das Gesundheitsministerium Brasiliens hat die Partizipation der Betroffenen viel gef\u00f6rdert und war im Bezug darauf modellhaft. Ansonsten hatte ich Kontakte zur Deutschen Aidshilfe. Die Deutsche Aidshilfe hat sehr viele Plakate und Informationsmaterialien gemacht. Bei vielen Sachen wurden wir \u2013 von Hydra &#8211; gefragt, ob das gut sei. Teilweise haben wir Materialien zusammen entwickelt, aber das hat auch zu Konflikten gef\u00fchrt. Es gibt vieles zu erz\u00e4hlen. Es gibt Materialien von Hydra, die toll sind und an Freier gerichtet sind. Es war so wichtig, dass die Kunden etwas tun und die W\u00fcnsche der Prostituierten akzeptieren. Helga, du hast auch eine wunderbare Aktion von dem Bockschein f\u00fcr Freier zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ja, am Anfang haben wir \u00fcberlegt, wie AIDS von den Schwulen zu den Prostituierten \u00fcbertragen werden soll und haben uns viele Aktionen \u00fcberlegt und mit dem Senat gesprochen. Sie wollten damals nicht das Wort \u201eKondom\u201c auf Plakate schreiben. Aber wie sollten die Menschen sonst erfahren, wie man sich vor AIDS sch\u00fctzen kann? Ganz am Anfang hat der Berliner Senat eine AIDS Task Force gebildet und uns eingeladen und dadurch kamen wir \u00a0mit vielen schwulen Projekten in Kontakt. So konnten wir sehr viel Power entwickeln. Aber wir mussten unser eigenes Ding machen. Also diese Aktion, die Freddy meint, ist sehr witzig. Die Sexarbeiterinnen waren damals verpflichtet, regelm\u00e4\u00dfig zum Gesundheitsamt zu gehen, um sich auf Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen. F\u00fcr die Freier gab es diese Pflicht nicht. Das fanden wir diskriminierend und erkl\u00e4rten darum, dass dann auch die Freier \u00a0untersucht werden m\u00fcssten, ob sie krank sind. Darum haben wir einen sogenanntes Bockschein f\u00fcr M\u00e4nner entworfen. So nannten die Frauen die Untersuchungsbescheinigung vom Gesundheitsamt \u2013 angelehnt an den gyn\u00e4kologischen Stuhl, den Bock. Diesen Bockschein f\u00fcr M\u00e4nner \u00a0haben wir tausendfach ausgedruckt. Wir wollten die Scheine an Berliner M\u00e4nner verschicken. Das kostete damals viel Geld f\u00fcr Porto. Aber es gab von allen Mitarbeitern im Senat Telefonlisten mit Namen und Zimmernummer. So haben wir alle M\u00e4nner angeschrieben und die Briefe beim Pf\u00f6rtner abgegeben, der sie an alle M\u00e4nner verteilte. Wir haben die M\u00e4nner aufgefordert, an einem bestimmten Tag in Berlin in das neue Gesundheitshaus f\u00fcr M\u00e4nner zu kommen, sich untersuchen und den Bockschein abstempeln zu lassen. An der Urania , fast am Ende des Kurf\u00fcrstendamms, haben wir ein Zelt aufgestellt und einen gyn\u00e4kologischen Stuhl platziert. Aber zu unserer Er\u00f6ffnungszeit kamen keine M\u00e4nner von Senat raus. Im Gegenteil, sie haben die T\u00fcr abgeschlossen, damit wir keine Demonstration im Haus machen. Aber es war sehr witzig. Nat\u00fcrlich gab es sehr viele Beschwerden von M\u00e4nnern beim Senat, oder die auch bei uns anriefen und fragten: &#8220;Wie k\u00f6nnen Sie so etwas sagen, dass ich ein Freier bin?&#8221; Oder die sich sorgten, dass vielleicht die Frau den Brief gesehen hatte. Die Senatsverwaltung, die uns finanzierte, hat sich jedoch hinter uns gestellt und gesagt, dass wenn die M\u00e4nner sich so aufregen, etwas dran sein muss und die Aktion gut ist. Sie haben uns verteidigt.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben immer versucht, mit witzigen Aktionen etwas zu erreichen, denn sonst h\u00f6rt uns niemand zu, wenn es nur traurig und d\u00fcster ist. Bei uns war es immer wichtig, etwas Lustiges zu machen. Ein Berliner Transportunternehmer hatte unser Plakat in der U-Bahn gesehen und uns Geld f\u00fcr eine weitere Aktion gegeben. Damit wollten wir unseren Spruch \u201eIm \u00f6ffentlichen Nahverkehr geht ohne Gummi gar nichts mehr\u201c auf einen Berlin Bus drucken lassen. Die Berliner Verkehrsbetriebe waren jedoch gegen den Spruch auf ihrem Bus, da niemand etwas mit Prostitution zu tun haben wollte. Dann haben wir drei Kinospots mit diesem Spruch gedreht, und der Berliner Senat hat unseren Antrag bewilligt, und so liefen diese Spots mehrere Monate lang zwischen den Werbeblocks in vielen Berliner Kinos. Das Delphi-Kino in der N\u00e4he des Bahnhofs Zoo hat unseren Film sogar noch \u00fcber ein Jahr lang kostenlos gezeigt. Ein Film zeigte: Kontrolleure, die in den Bus einstiegen und die Fahrscheine kontrollierten, da zeigte jemand ein Kondom in die Luft, und dann sangen alle Fahrg\u00e4ste &#8220;Im \u00f6ffentlichen Nahverkehr geht ohne Gummi geht gar nichts mehr&#8221;. Diesen Spruch sangen alle Leute im Kino mit. Mit solchen Aktionen hatten wir viel Erfolg und kamen ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Ich habe die Links geschickt, um den Film zu sehen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Auf der Webseite von Hydra gibt es sie auch.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Im Bezug auf diese witzige Aktionen, AktivistInnen von Deutsch Aidshilfe waren dagegen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Am Anfang gab es glaube ich noch keine Deutsche Aidshilfe. Es gab nur die Berliner Aidshilfe, die Deutsche Aidshilfe hatte sp\u00e4ter eine Referentin zur Prostitution. Sie entwarf klischeehafte Plakate und wir hatten deswegen Streit mit der Deutschen Aidshilfe, aber die \u00fcberlie\u00df die Entscheidung der Referentin.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Die Deutsche Aidshilfe wurde bereits 1983 gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ja, am Anfang hatten wir nichts mit der Deutschen Aidshilfe zu tun, sondern nur mit der Berliner Aidshilfe. Wir stritten uns mit ihnen, weil sie wollten, dass wir uns mehr mit dem Thema besch\u00e4ftigen. Wir verstanden unser Projekt als politisches Projekt mit Prostituierten, nicht im Zusammenhang mit dem Drogenbereich. Wir sagten, dass es bereits Drogenprojekte gibt, die sich darum k\u00fcmmern sollten, wenn drogenabh\u00e4ngige Frauen zu uns zur Beratung kommen, dann nat\u00fcrlich. Aber wir wollten keine speziellen Programme f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige anbieten, da es zu der Zeit immer wieder Polizeikontrollen bei Drogenabh\u00e4ngigen gab. Es war eine gro\u00dfe Frage des Datenschutzes, und wir wollten nicht, dass unsere Daten eingesehen werden. Das war ein Grund, und die Berliner Aidshilfe hat gesagt, macht eure Sache, und dann hat sich das Fixpunkt Projekt irgendwann gegruendet.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Wie waren die Beziehungen zwischen Hydra und ACT UP in Deutschland?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Mit ACT UP hatte ich nicht so viel zu tun. Wir waren haupts\u00e4chlich mit anderen Prostitutionsprojekten in Holland besch\u00e4ftigt und haben dort den ersten internationalen Hurenkongress in Br\u00fcssel organisiert. Die ICRSE wurde immer internationaler, aber wir waren auch oft auf Christopher Days und haben nat\u00fcrlich auch mit anderen Gruppen zusammengearbeitet. Wir meistens haben uns auf Hurenprojekte auch im internationalen Kontext konzentriert und tolle Anregungen erhalten. Zum Beispiel haben wir Materialien mit Gesundheitsinformationen aus Neuseeland bekommen. Ich erinnere mich daran, dass Friederike f\u00fcr diese internationalen Vernetzungen zust\u00e4ndig war. Mit den Frauen aus Neuseeland haben wir dann die Gesundheitsmappe \u00fcbersetzt, die nicht nur \u00fcber AIDS informierte, sondern auch breiter \u00fcber Gesundheitsthemen aufkl\u00e4rte. Wir bekamen dann Unterst\u00fctzung vom Berliner Senat und konnten unsere Arbeit beginnen<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Hatten Sie enge pers\u00f6nliche Kontakten mit Aktivist*innen aus Neuseeland?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Na ja, nicht so viele pers\u00f6nliche Kontakte. Ich bin nie in Neuseeland gewesen, aber es kamen welche aus Neuseeland nach Berlin. Wir hatten auf jeden Fall Kontakte mit Sexarbeiterinnen in Holland. Wir sind dorthin gereist und haben Projekte besucht. Au\u00dferdem waren wir in Schottland, in Edinburgh, wo ich einen Vortrag gehalten habe. Wir hatten auch Kontakte mit Ruth Morgan.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Hatten Sie auch Kontakte mit Aktivist*innen aus S\u00fcdeuropa in den 1980er und 1990er Jahren?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: So als die Mauer ge\u00f6ffnet wurde, gab es keine Projekte, sondern interessierte Personen. Ich war in Prag, aber ich wei\u00df nicht, ob Sexarbeiterinnen daran beteiligt waren. Die Veranstaltung wurde von der B\u00f6ll Stiftung organisiert. Mit Italienerinnen hatten wir viele Kontakte, sie waren sehr aktiv, und wir hatten auch Kontakte mit Frankreich.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Was betrifft Frankreich, waren Sie inspiriert von den Protesten in 1975?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Auf jeden Fall, ich kannte eine Frau, die daran beteiligt war, aber zu der Zeit gab es\u00a0 keine richtige Hurenbewegung, sondern Projekte, die Frauen retten wollten. In Frankreich herrschte eine sehr abolitionistische Politik, die bis heute fortbesteht. Wir m\u00fcssen weiterhin k\u00e4mpfen, so wie in Schweden.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Im Allgemeinen war es f\u00fcr Sie wichtig, sich als Teil einer internationalen Bewegung zu f\u00fchlen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ja, unbedingt. Wir haben gemerkt, dass wir gemeinsame Ziele hatten, dass wir f\u00fcr Entkriminalisierung und gegen Stigmatisierung k\u00e4mpfen wollten. Das war unser gro\u00dfes Ziel, und wir haben bemerkt, dass dies auch in anderen L\u00e4ndern gefordert wird. In Indien zum Beispiel fordern Frauen auch ihre Rechte ein. In Deutschland hei\u00dft es oft, dass nur ein Bruchteil der Prostituierten f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpft, dass die meisten Opfer von Menschenhandel sind und unterdr\u00fcckt werden. Es ist gut zu wissen, dass sie auch in anderen L\u00e4ndern f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpfen. Eine Hydra-Frau nahm einmal an einem AIDS-Kongress teil, der alternativ in Indien stattfand, weil Prostituierte nicht in die USA zur AIDS-Konferenz einreisen durften. In Indien fand ein Alternativ-Kongress statt, bei dem 60.000 Frauen f\u00fcr ihre Rechte, Entkriminalisierung und gegen Stigmatisierung demonstrierten. Das macht uns stark, auch wenn wir gegen den Wind k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Friederike kann dazu auch noch etwas sagen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Es gibt viele Beispiele aus neuerer Zeit. Nat\u00fcrlich haben wir heute eine wunderbare Vernetzung durch das Global Network of Sex Work Projects (NSWP). Aber das kam sp\u00e4ter nach den 1990er Jahren. Auf den AIDS-Konferenzen gab es viele Kontakte zu Kollegen und Kolleginnen, aber das war sp\u00e4ter, nicht in den 1990er Jahren. Es gibt Kontakte nach Italien wie das Comitato per i Diritti Civili delle Prostitute. Ich war auf einer AIDS-Konferenz in Barcelona, die, ich glaube, in 2002 war . Mit der brasilianischen Organisation Davida war ich bei der Aidskonferenz in Mexico (2008) und in Wien (2010), wo wir viel mit AIDS-Aktivist*innen gemacht haben, zumal wir dort mit dem brasilianischen Sexworker Modelabel Daspu Modenschauen organisiert haben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die AIDS-Konferenzen waren teilweise fr\u00fcher. Das in Calcutta war 2012 oder so und auch Amsterdam in 2018 war wichtig f\u00fcr uns. Es ging darum, sp\u00e4ter Peer-Projekte aufzubauen. Die Anf\u00e4nge waren bei Hydra die Streetwork in den Bordellen, immer mit jemandem, der selbst Erfahrungen in der Sexarbeit hatte. Wir konnten auch Kondome kostenlos zur Verf\u00fcgung stellen. Diese Ans\u00e4tze sind wichtig zu erw\u00e4hnen, da sie damals ihren Anfang genommen haben. Zum Beispiel erinnere ich mich an die heutigen Sexworkkalender, die von der Deutschen Aidshilfe gegeben wurden. Die Anregung entstand durch die brasilianischen Kalender f\u00fcr Prostituierte mit n\u00fctzlichen Tipps und Adressen. Es gibt immer wieder solche Beispiele. In den 1990er Jahren hat die Deutsche Aidshilfe Kurse f\u00fcr Sozialarbeiter*innen zum Thema Prostitution gemacht. Und was Helga zum Thema Menschenhandel erw\u00e4hnt hat, war in den 1990er Jahren sehr stark, da der Diskurs unterschiedlich war. Das ist auch eine Sache, die in anderen L\u00e4ndern passiert ist. Wir haben wieder zusammengearbeitet.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: In den 1980er Jahren waren viele Dominikanerinnen in Berlin. Dann kamen viele Frauen aus Thailand. Ich habe mit den Thail\u00e4nderinnen zu tun gehabt. Die Frauen, die schon Prostitutionserfahrungen in Thailand hatten, wussten in der Regel, warum sie hierher gekommen waren, also dass sie zum Anschaffen kamen. Jemand hatte das organisiert. Sie hatten ein Touristenvisum f\u00fcr drei Monate und mussten wieder dann ausreisen. Viele Frauen haben es dann selbstst\u00e4ndig organisiert, dass sie nach einigen Monaten wieder einreisen konnten und haben das teilweise auch f\u00fcr andere Frauen organisiert. Aber kann man das als Menschenhandel bezeichnen? Sie haben das nicht so wahrgenommen. Es war ein Netzwerk f\u00fcr sie. So haben wir das wahrgenommen \u00a0und akzeptiert. Was sie erz\u00e4hlten, wurde von dem Huren-Projekt aus Frankfurt, HWG, unterst\u00fctzt. Die Abk\u00fcrzung HWG stand auch f\u00fcr Frauen mit h\u00e4ufig wechselndem Geschlechtsverkehr. Das war der Begriff des Gesundheitsamtes. Die Frauen vom Projekt HWG erz\u00e4hlten von Studentinnen, die unbedingt Thail\u00e4nderinnen retten wollten mit zur Streetwork gingen und erfuhren, dass die Frauen nicht gerettet werden wollten und den Job dort gerne machen. In dieser Zeit haben wir auch Streetwork gemacht, aber unsere Frauen waren nicht wirklich gut geschult daf\u00fcr. Es reicht nicht, Sexarbeiterin zu sein, um gute Streetwork zu machen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Die meisten Probleme der Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, entstehen durch Verletzungen der Arbeitsrechte. Und wenn es Ausbeutung gab, konnten die Frauen \u00fcberhaupt keine legale Arbeit aus\u00fcben und waren in einer anderen Situation. Dazu kommt die Frage des Rassismus und der Migration. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass in den 1990er Jahren ein sehr starker Rassismus innerhalb der Sexarbeiter*innen-Bewegung herrschte. Viele hatten Vorurteile, indem sie sagten, dass die Migrant*innen-Sexarbeiter*innen keine Kondome benutzten und niedrigere Preise forderten. Es war ein gro\u00dfer Kampf, um die Kolleg*innen aus anderen L\u00e4ndern immer wieder einzubeziehen. Sie waren in einer anderen Situation, aber sie sollten nicht als Konkurrenz betrachtet werden, sondern als Kolleg*innen. Das war immer ein gro\u00dfer Konflikt und es war schwierig, die Kolleg*innen aus anderen L\u00e4ndern in die Bewegung einzubeziehen, weil sie nur f\u00fcr kurze Zeit da waren. Einige von ihnen waren interessiert und beteiligten sich aktiv, aber die meisten nicht. Sie waren entweder in ihrem eigenen Land aktiv oder waren nach einiger Zeit weg. Es war ein gro\u00dfes Thema und wir haben versucht, das Bewusstsein daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen. In dieser Zeit haben wir viele Materialien \u00fcber Gesundheitsthemen, einschlie\u00dflich Geschlechtskrankheiten und AIDS, in vielen verschiedenen Sprachen erstellt, um den Frauen diese Informationen zug\u00e4nglich zu machen. Wir hatten auch ein sehr sch\u00f6nes Lexikon \u00fcber Begriffe der Sexarbeit wie Preise, Angebote usw. in verschiedenen Sprachen. Es war eine sehr sch\u00f6ne Brosch\u00fcre und wir waren immer sehr kritisch gegen\u00fcber Rassismus und haben versucht, viel mit den Migran*tinnen in der Sexarbeit zu tun zu haben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ja, ich denke, wir haben uns als politisch linkes Projekt etabliert.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Ja, 2000 haben wir versucht zu schauen, wie Migrant*innen aus Nicht-EU-L\u00e4ndern legal nach Deutschland kommen k\u00f6nnen, um zu arbeiten. Wir haben viel mit Migrantinnen-Organisationen diskutiert. Es ist nicht einfach, das Ausl\u00e4ndergesetz in Deutschland zu \u00e4ndern, und es hat nicht geklappt, aber wir haben immer wieder versucht zu schauen, wo es offene Stellen gibt, wenn man eine Arbeitserlaubnis hat.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ich erinnere mich daran, dass einige Thail\u00e4nderinnen geheiratet haben, um ihren Aufenthaltsstatus zu erhalten, und nicht, weil sie jemanden besonders liebten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Wenn ich mich nicht irre, gab es Zusammenarbeit zwischen Hydra und einigen Organisationen von t\u00fcrkischen Migranten w\u00e4hrend der 1990er Jahre?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: T\u00fcrkische?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Nach meiner Erfahrung gab es nicht viele Frauen aus der T\u00fcrkei in den Bordellen, sondern aus anderen L\u00e4ndern. Anfang der 1990er Jahre waren die meisten Frauen Thail\u00e4nderinnen, es gab sehr viele Frauen aus Polen und Tschechien, mittlerweile auch aus Bulgarien und Rum\u00e4nien, vor allem in Berlin, sowie aus der Dominikanischen Republik und Kolumbien, teilweise auch aus Brasilien und afrikanischen L\u00e4ndern wie Nigeria und Ghana sowie auch viele europ\u00e4ische Frauen. Der Anteil der migrantischen Sexarbeiter*innen ist h\u00f6her geworden, heute sind es 70%-80%. Hydra macht sehr viel zu AIDS-Pr\u00e4vention f\u00fcr Migrant*innen in der Sexarbeit.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Es gab auch T\u00fcrkinnen bei Hydra, aber es handelte sich um Frauen, die bereits in Berlin gelebt und hier aufgewachsen waren. Es gab keine Migrationsthemen. Manchmal kamen Frauen einfach, weil sie dieses Netzwerk wollten und andere Frauen kennenlernen und sich politisch engagieren wollten. Sie hatten viele Probleme aufgrund von Stigmatisierung und wollten vielleicht wissen, wie sie am besten ihren Lebenslauf schreiben k\u00f6nnten. Sie kamen zur Beratung und um sich auszutauschen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Hat AIDS eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit zwischen Hydra und migrantischen Sexarbeiter*innen gespielt?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Ja, das war nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Problem der Gesundheitsversorgung, weil Migrant*innen, die hier als Sexarbeiter*innen arbeiteten und HIV-positiv waren oder andere Krankheiten hatten, keinen Zugang zur Krankenversicherung hatten. Es gab Organisationen, die kostenlose und anonyme Tests durchf\u00fchrten, Beratung und Hilfe anboten und engen Kontakt zu \u00f6ffentlichen Gesundheits\u00e4mtern hielten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Hatten Sie Kontakt zu migrantischen Sexarbeiterinnen, die LGBTQ waren, zum Beispiel Transfrauen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Ja, wir hatten auch Transfrauen in der Beratung, aber sie waren nicht der gr\u00f6\u00dfte Teil.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Meine Erfahrung damals war, dass transsexuelle Menschen gro\u00dfe Schwierigkeiten hatten, ihre Papiere und ihre Geschichte zu \u00e4ndern. Dies wurde in den 1990er Jahren oder noch sp\u00e4ter immer mehr legalisiert oder vereinfacht. Viele waren nur in dieser in dieser \u00dcbergangsphase in die Prostitution gegangen und sp\u00e4ter stand Prostitution nicht mehr im Mittelpunkt ihres neuen Lebens stand. Eine transsexuelle Frau, die jetzt in einem Steuerb\u00fcro arbeitet, hat ein anderes Leben und hat seit langer Zeit nichts mehr mit Prostitution zu tun. F\u00fcr manche Frauen war dies eine vor\u00fcbergehende Phase, um etwas zu \u00fcberpr\u00fcfen und Geld zu verdienen, bevor sie etwas anderes machten. Die Schwulen haben oft nicht verstanden, warum Sexarbeiterinnen sich nicht outeten und waren verwundert \u00fcber ihr mangelndes Selbstbewusstheit. Ich sagte, dass Prostitution keine Identit\u00e4t ist, sondern nur eine Arbeit, und dass Sexarbeiterinnen auch andere Identit\u00e4ten haben.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: In den 1990er Jahren war es noch umstritten, \u00fcber transgender Personen zu sprechen und f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ich kann das nicht genau sagen, da ich mich anfangs nicht mit dem Thema besch\u00e4ftigt habe. Als ich in den 1980er Jahren Begegnungen mit transsexuellen Personen hatte, war es nicht legal, seine Identit\u00e4t zu wechseln. Es gab damals Transsexuellen-Clubs oder Tunten, bei denen es nicht immer klar war, ob sie als Transsexuelle bezeichnet werden sollten.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Heute gibt es viel mehr Trans*-Organisationen, mit denen man zusammenarbeiten kann, auch spezielle Trans-Sexarbeiter*innen-Organisationen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Als die ersten zu uns kamen, gab es keine andere Organisation.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: In den 1990er Jahren gab es schon welche.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Hat Hydra gegen Ma\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Union gegen Migranten wie zum Beispiel Fortress Europe gek\u00e4mpft?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: In den 1990er Jahren haben wir uns stark daf\u00fcr engagiert, dass Migrant*innen zu uns kommen konnten. Es wurde immer wieder das Thema Menschenhandel benutzt, damit sie kein Visum beerhalten. Wir haben gesagt, nein, das ist umgekehrt: Die Menschen brauchen ein Visum, eine Arbeitserlaubnis, dann sind sie nicht erpressbar und ausbeutbar. Wir haben auch versucht, die Zivilgesellschaft zu ver\u00e4ndern. Das ist ein hei\u00dfes Thema und es ist nicht einfach, Meinungen zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Sie haben mir von internationalen Hurenkongressen w\u00e4hrend der 1990er Jahre erz\u00e4hlt. War AIDS ein wichtiges Thema auf diesen Kongressen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Ja, nat\u00fcrlich war das auch ein Thema. Aber bei den ersten, glaube ich in Br\u00fcssel, stand es nicht im Vordergrund. Es ging haupts\u00e4chlich um Entkriminalisierung und die Rechte von Sexarbeiterinnen. AIDS war auch ein Thema, weil es gegen die Frauen [Sexarbeiterinnen] benutzt wurde.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Wir haben immer versucht, dass Prostituierte nicht als besondere Risikogruppe gesehen werden. Ich glaube, das hat die 1980er und 1990er Jahre sehr gepr\u00e4gt. Das Thema war in allen L\u00e4ndern \u00e4hnlich und weltweit wurden Prostituierte immer als Risikogruppe stigmatisiert und auch f\u00fcr die Verbreitung von Krankheiten verantwortlich gemacht. Das passiert auch heute wieder bei Corona.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Sie haben von witzigen Aktionen erz\u00e4hlt. Gab es auch andere Aktionen, die Hydra veranstaltet hat, die nicht so witzig waren?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Im Jahr 2005 gab es in Berlin den Karneval der Kulturen. Dort haben wir als Hydra an einer Sambagruppe teilgenommen. Ansonsten gab es viele Demonstrationen und Kundgebungen von Prostituierten, bei denen es mehr um Lust als um Tod oder Sterben ging. Es ging um sexuelle Freiheit und darum, dass man selbstbestimmt seine Sexualit\u00e4t in der Prostitution oder anderswo leben darf. Es herrschte viel positives Denken. Das war ein gro\u00dfer Unterschied zur AIDS-Bewegung, denn die Sexarbeiter*innen-Bewegung ist eine Arbeiter*innen- oder Arbeitsrechte-Bewegung.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Es gab keine t\u00f6dliche Bedrohung und man konnte sich sicher sch\u00fctzen, indem man Kondome benutzte. Als wir an einer Ausstellung teilgenommen haben, an der sich viele schwule Projekte beteiligt haben, wurde das Thema Kondome oft als traurig empfunden. Wir haben deshalb versucht, es humorvoller zu gestalten. Wir haben eine Jukebox aufgestellt und ein Lied produziert, das wir nach der Melodie der Deutschen Hymne gesungen haben. Es war ein Kondomlied. Neben der Jukebox haben wir eine Lichtschranke und eine m\u00e4nnliche<s> <\/s>Schaufensterpuppe platziert. Wenn man durch die Schranke getreten ist, ging bei der Puppe der Penis mit einem Kondom hoch und die Musik begann zu spielen. Das war sehr lustig, aber die Ausstellungsmacher, die den ganzen Tag lang dort waren, haben \u00fcber die L\u00e4nge des Liedes geklagt, aber die Besucher waren begeistert.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Wie hat die Wiedervereinigung Deutschlands die Aktivit\u00e4ten von Hydra beeinflusst?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helga<\/strong>: Viele Grenzen wurden ge\u00f6ffnet und viele Frauen aus Osteuropa und S\u00fcdeuropa kamen nach Deutschland. Es gab damit verbundene Probleme, wie Freddy bereits erw\u00e4hnt hat. Es gab Rassismus und rechtliche und mediale Probleme.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Das waren meine Fragen, aber m\u00f6chten Sie noch etwas hinzuf\u00fcgen?<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freddy<\/strong>: Wir haben eine Ausstellung \u00fcber die Geschichte von Hydra gemacht, bei der wir ein Kleid aus Kondomen und einen Bikini aus Kondomen von Adriana Bertini aus Brasilien pr\u00e4sentiert haben. Es gibt auch sch\u00f6ne Bilder davon. Wir haben immer wieder versucht, wie es auch in der Sexarbeiter*innen-Bewegung \u00fcblich ist, kreative und lustige Aktionen durchzuf\u00fchren. Wir verteilen nicht nur Kondome, sondern versuchen auch andere Dinge zu tun. Zum Beispiel haben wir uns anl\u00e4sslich der Jahrestage der Besetzung einer Kirche in Frankreich am 2. Juni 1975 beteiligt und f\u00fchren jedes Jahr am Internationalen Hurentag Aktionen durch. Wir gehen in Bordelle und verteilen Lilien an die Frauen, allerdings nicht w\u00e4hrend der Corona-Pandemie. Es ist wichtig, dass wir immer wieder kreative und motivierende Aktionen durchf\u00fchren.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nikos<\/strong>: Ich m\u00f6chte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken!<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a0<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-57c04d3 elementor-align-left elementor-widget elementor-widget-button\" data-id=\"57c04d3\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"button.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-button-wrapper\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-button elementor-button-link elementor-size-sm\" href=\"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/?page_id=99\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-content-wrapper\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-icon\">\n\t\t\t\t<svg aria-hidden=\"true\" class=\"e-font-icon-svg e-far-arrow-alt-circle-left\" viewBox=\"0 0 512 512\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M8 256c0 137 111 248 248 248s248-111 248-248S393 8 256 8 8 119 8 256zm448 0c0 110.5-89.5 200-200 200S56 366.5 56 256 145.5 56 256 56s200 89.5 200 200zm-72-20v40c0 6.6-5.4 12-12 12H256v67c0 10.7-12.9 16-20.5 8.5l-99-99c-4.7-4.7-4.7-12.3 0-17l99-99c7.6-7.6 20.5-2.2 20.5 8.5v67h116c6.6 0 12 5.4 12 12z\"><\/path><\/svg>\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-text\"> Back to the Oral History Database<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home Interview with Helga Bilitewski and Freddy (Friederike) Strack Note: The interview was conducted while Papadogiannis was a recipient of the AHRC-funded project \u201cTransnational Sexual Health Activism and Aids in Western Europe, 1980s-1990s\u201d, which I led (project reference: AH\/V013955\/1). Its transcription, and the review from Bilitewski and Strack, was completed in the context of the<\/p>\n<p><a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/?page_id=197\" aria-label=\"Interview with Helga Bilitewski and Freddy (Friederike) Strack Read full post\">Read full post<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"parent":99,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-197","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/99"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ghiv.stir.ac.uk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}